Aktuelles
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Oşorhei Weit müssen die Frauen gehen und schwer müssen sie schleppen, um Trink- und Brauchwasser in ihre Siedlung zu bringen. Oşorhei ist ein Vorort von Oradea, in dem etwa 600 Roma leben – außerhalb des Vorortes natürlich, so wie es Tradition ist. Und außerhalb der Gesellschaft. Und auch unter Bedingungen, die außerhalb unseres Vorstellungsvermögens liegen. Deshalb wollen wir einer kleinen Gruppe von Roma in Oşorhei helfen, eine menschenwürdige Unterkunft zu bekommen. Näheres dazu im Passauer Bistumsblatt und demnächst auch an dieser Stelle. Projekte für Roma – warum? „Die meisten Unterkünfte ohne Wasser und Strom; wo man auch hinsieht menschenunwürdige Zustände, Müll, Hoffnungslosigkeit und scharenweise verdreckte Kinder. Kaum jemand hat Arbeit. Das Leben besteht aus dem Warten auf Sozialhilfe. [...] Es herrschen Zustände, die man in diesem Teil der Welt niemals erwartet hätte. Weitgehend unbeachtet […] steht ein soziales Pulverfass kurz vor der Explosion.“ Mit diesen drastischen und dramatischen Worten beschreibt eine Presse-Aussendung des ORF vom 12. 12. 2009 die Situation von Roma-Familien in Südosteuropa. Schon seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten setzt sich die Auslandshilfe des Caritasverbandes für die Diözese Passau e. V. für Roma-Familien ein, ganz speziell auch für Roma-Kinder. Warum? Die Geschichte der Roma in Europa reicht bis ins 1. Jahrtausend zurück. Doch ein Blick in die vergangenen 25 Jahre reicht, um die Problematik aufzuzeigen, die gerade jetzt zunehmend ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerät. Nach dem 2. Weltkrieg war in Osteuropa der Kommunismus über mehr als ein halbes Jahrhundert die alles bestimmende Staatsform. Während dieser Zeit war es das erklärte Bemühen der Politiker, einem möglichen sozialen Konflikt mit den Roma aus dem Weg zu gehen, indem man versuchte, sie in Arbeit und Brot zu halten. Das hat meist ziemlich gut funktioniert. Roma wurden in die Gesellschaft integriert, soweit diese selbst das zuließen, und zunehmend sesshaft gemacht. Neben der Arbeitspflicht für Erwachsene wurde auch die Schulpflicht für Kinder eingeführt. Mit der „Wende“ änderte sich schlagartig alles in Europa, vor allem in Mittelost- und Südosteuropa, und ganz besonders für die Roma. Von einem Tag auf den anderen verloren sie ihre Arbeitsstelle und wurden in eine Freiheit entlassen, mit der sie nichts anzufangen wussten. Das Schlimmste aber: die gerade erfolgreich begonnne Integration der Roma in die Gesellschaft war über Nacht wieder dahin. Durch die rasch einsetzende massive Verarmung dieser Volksgruppe kam es wieder – und noch dazu verstärkt – zu einer Gettobildung, wie sie nur aus dem finsteren Mittelalter und dann noch aus der NS-Zeit bekannt ist. Ohne Arbeit kein Geld und ohne Geld keine Schule. Ohne Schule keine Bildung und ohne Bildung keine Ausbildung. Ohne Ausbildung keine Arbeit und ohne Arbeit kein Geld. Der Kreis schließt sich, wird zum Teufelskreis. An dieser Stelle hat die Auslandshilfe der Caritas Passau angesetzt. Mit unseren Partnern in Rumänien locken wir Kinder in den Kindergarten, die Vorschule und schließlich in die Schule (Turulung und Marghita). Der Erfolg rechtfertigt die spärlich zur Verfügung stehenden Mittel in höchstem Maße. Gern würden wir parallele Projekte starten zur beruflichen Qualifikation und Integration – nicht als Vollprojekte, sondern begleitend, unterstützend. Leider fehlt das Geld dafür. Nichts ist möglich. So müssen wir zusehen, wie die Roma weiter im Abseits leben müssen. Unter hygienischen Verhältnissen, die niemand glaubt, der es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Erwerbsfähigen den Bezug zur Arbeit und Regelmäßigkeit verlieren, die Fähigkeit und den Willen zum Leben mit den anderen Minderheiten und den Bevölkerungsmehrheiten. Wir können nicht leugnen, dass viele Roma von Hoffnungslosigkeit geprägt sind, von Teilnahmslosigkeit, in dauerhafte und tiefe Resignation und Lethargie versinken, nur noch von einem Termin des Sozialhilfebezugs auf den nächsten warten. Auf der anderen Seite, sagen wir besser aus einem anderen Blickwinkel sieht die Sache so aus: Die Nicht-Roma-Bevölkerung beginnt wieder mit einer Ausgrenzung der Roma. Soziale Spannungen, die zunehmend entstehen, werden immer öfter gewaltsam ausgetragen. Rassistisch motivierte Straßenschlachten in der Slowakei, es hat viele Verletzte gegeben. Morde sogar in Österreich und Ungarn. Extremistische Gruppierungen etablieren sich, die gegen die Roma kämpfen, und streben Parteienstatus an. So wollen sie das Problem „von oben her“ lösen. Hatten wir das nicht erst vor 70 Jahren? Gleichzeitig ist festzustellen, dass immer größere Teile der Bevölkerung neidisch auf die Sozialhilfe schauen, die die Roma in weit überwiegender Zahl beziehen. In geflissentlicher Übersehung der Tatsache, dass zum einen die Sozialhilfe durch die Arbeitslosigkeit der Roma bedingt ist und zum anderen die paar Euro gerade mal für eine Notmahlzeit am Tag reichen oder für Brennholz. Vor allem in Zeiten weltweiter finanzieller und wirtschaftlicher Umbrüche, wo jeder auf sein eigenes Geld schaut, fällt der Blick auf die Roma noch kritischer aus als ohnehin schon, die Toleranz ihnen gegenüber schwindet, alte und längst vergangen geglaubte Vorurteile leben wieder auf, das Wort vom Sozialschmarotzer macht die Runde. Roma in Ungarn, der Slowakei und Rumänien haben keine Perspektiven. Sie leben von einem Tag auf den anderen, haben mittlerweile die Fähigkeit zur Lebensplanung verloren. Wieso auch nicht – es handelt sich letztlich um das Ergebnis einer zwangsläufigen Entwicklung. Selbst die Sozialhilfe, die der Staat gewährt, verkommt zu einer Art Alibileistung – finanzielle Leistungen sollen von der Verpflichtung zur Schaffung von Arbeitsplätzen entbinden, vom Versuch der gesellschaftlichen Integration, von der Überwachung und Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht. Früher brauchte ja „das fahrende Volk“ angeblich keine Bildung – so fällt es jetzt nur allzu leicht, in dieses Gedankengut zurückzufallen. Unbestrittene Tatsache ist: die Roma sind die größten Verlierer der „Wende“. Wie sehr haben sie seitdem auf den Beitritt ihrer Länder zur EU gehofft, und wie viele Träume waren damit verbunden … Es ist alles nur viel schlimmer für sie geworden. Der Eintritt ins reiche Europa ist geschafft, aber keiner interessiert sich mehr für sie, niemand will mit ihnen zu tun haben. Wenn Globalisierung überhaupt und irgendwo einen Sinn macht, dann an diesem Punkt: wir brauchen die globale Solidarität mit den von Armut, Unterdrückung und Ausgrenzung Betroffenen. Den Roma. Wir versuchen, dafür einen kleinen aktiven Beitrag zu leisten. © Text und Foto: Gerhard Heger
Der Winter steht vor der Tür Mancherorts ist das gleichbedeutend mit einer sehr harten Zeit, die auf die Menschen zukommt. Ganz besonders dann, wenn sie obdachlos sind. So wie auch ein Ehepaar, das außerhalb einer kleinen Stadt in der Diözese Oradea (Rumänien) lebt. Streng genommen sind die beiden Roma gar nicht obdachlos. Sie nennen immerhin eine „Wohnung“ ihr eigen. Klein, nass und im Winter so richtig kalt. Das Quartier besteht aus je zwei Balken links und rechts, darüber gelegt ein paar Bretter, Kartons und Folien. Das Ganze auf etwa 12 m² Grundfläche mit original Naturboden. „Der Skandal schreiender Ungerechtigkeit“, so schreibt Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Caritas in veritate“, halte an, wenn man sich die verschwenderische (…) Überentwicklung ansehe, „die in unannehmbarem Kontrast zu anhaltenden Situationen entmenschlichenden Elends steht.“ Eisige Kälte, erbärmliches Wohnen, dazu noch extrem mangelhaftes Essen – kein Wunder, dass das bei Arpad und Carola auf die Gesundheit, insbesondere auf die Lungen geht. Der Ofen (das ausrangierte Ölfass mit der Dachrinne rechts hinten im Bild) hat nämlich keine reelle Chance gegen den Dauerfrost. Wir bieten auch in diesem Fall Möglichkeit zur Hilfe an – dank unserer jahrelangen guten Partnerschaft mit der Caritas der Diözese Oradea ist das möglich. Wenn Sie sich beteiligen wollen - die Mitarbeiter/innen der Auslandshilfe des DiCV Passau beraten Sie gern! "Einspruch für die Roma!" So kurz und prägnant formulierte der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn eine seiner Thesen auf einer Veranstaltung am 16. September 2009 in Passau. Was hoffnungsvoll begann und eine aktive Unterstützung für die Arbeit der Auslandshilfe der Passauer Caritas hätte werden können, verlief dann leider vollständig im Sand. In Deutschland ist dieses Menschenrechtsthema von europäischer Dimension offenbar noch nicht angekommen, jedenfalls wurde es weder vom Moderator der Diskussion aufgegriffen noch in der lokalen Presse am nächsten Tag. Schon am selben Abend aber um 21:57 Uhr wussten 200 km von Passau entfernt die Leser der „Kleinen Zeitung“ in der Steiermark mehr. In der online-Ausgabe wurde der ranghohe kirchliche Würdenträger zitiert, „auch in demokratischen Gesellschaften bestehe immer die Gefahr, dass die Rechte der Schwachen nicht genügend geachtet werden, etwa der Ungeborenen, der Arbeitslosen oder der Roma.“ Der Erzbischof von Wien ist kein Sprücheklopfer – er zeigt öffentlich, dass er die Sorgen und Nöte der Roma sieht und versteht. So hat er erst vor wenigen Tagen die Teilnehmer der 10. internationalen Wallfahrt der Sinti und Roma begrüßt und mit ihnen einen Gottesdienst in der Basilika Mariazell gefeiert. Die Auslandshilfe der Caritas Passau unterhält – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – kleine Projekte für Roma-Kinder in Rumänien (Turulung, Marghita und Oradea). Projektpartner dabei sind teilweise die Caritas Satu Mare, die Caritas Oradea, die Caritas Budweis und die Gemeinschaft Don Orione Oradea. © Text und Foto: Gerhard Heger
Nachbarschaftstreffen Am 6. April 2009 haben die Diecézní Charita České Budějovice und der Caritasverband für die Diözese Passau e. V. eine Erklärung zur Partnerschaft zwischen den beiden Organisationen geschlossen. Ziele und Inhalte der Vereinbarung sind beispielsweise Erfahrungsaustausche bei regelmäßigen Treffen, die Organisation von Arbeitsaufenthalten von Mitarbeiter/inne/n in den einschlägigen Bereichen der Caritas-Arbeit, die Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit, die Förderung der ehrenamtlichen Arbeit oder die Durchführung von gemeinsamen Projekten humanitärer Hilfe in Drittländern. Einiges aus diesem Programm wurde bereits in Angriff genommen. So hat sich die Caritas Budweis vor Ort informiert über die Projekte der Auslandshilfe der Caritas Passau in Rumänien, umgekehrt kennt die Caritas Passau nun die Probleme der Caritas Budweis in der dort stets aktuellen Hochwasserhilfe oder bei Sozialprojekten in Roma-Familien. Kürzlich rückte auch die gemeinsame Vergangenheit ins Blickfeld. Das deutsch-tschechisch-jüdische Zusammenleben im Böhmerwald, vor allem aber das Gedenken an die Opfer des Holocaust standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung in der Bergsynagoge in Hartmanice. Daran nahmen u. a. auch Mitarbeiter/innen der Caritas Budweis und Passau teil, Vertreter der katholischen Kirche und der jüdischen Gemeinschaft. Das Treffen soll in Zukunft zu einem festen Punkt im Terminkalender der Partner werden. Nach der Reinigung des ehemaligen jüdischen Friedhofs nahe Hartmanice am Vormittag fand dort am Abend eine Kranzniederlegung statt. Herr Václav Diviš (links hinten), der Direktor der Bergsynagoge Hartmanice, und die Teilnehmer der Veranstaltung gedachten der Opfer der Nazi-Diktatur und beteten für sie. Gut aufgearbeitete und vor allem auch bedrückende Informationen zur Geschichte unserer Nachbarn finden Sie unter
Text und Foto: Gerhard Heger
Liebe ist ... Vier Füße, zwei Menschen, ein Paar. Florian trägt Schuhe. Arbeitsschuhe, Freizeitschuhe, Hausschuhe. Was auch immer, er hat nur diese. Ileana geht barfuß. Ganzjährig, und durchaus nicht freiwillig. Die beiden besitzen nur das, was sie am Leibe tragen, dazu ein Bett, Tisch und Stühle sowie einen winzigen Ofen. Wollte man ihre Armut wirklich zu beschreiben versuchen, würde man unglaubwürdig. Ihre gemeinsame Wohnung liegt in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Gemeinschaft, misst ungefähr 12 m², wurde aus weggeworfenen Baumaterialien illegal auf fremdem Grund errichtet und entspricht nicht einmal der geltenden EU-Richtlinie für Schweinehaltung. Wasser, Toilette oder Strom: Fehlanzeige. Es ist mittlerweile schon 14 Jahre her, dass sich Florian und Ileana erstmals begegnet sind. Liebe auf den ersten Blick war es nicht, so viel steht fest. Ileana ist seit 18 Jahren blind. Umgerechnet 110 € Blindenrente im Monat sind das einzige Einkommen der beiden. „In guten und in schlechten Zeiten“, heißt es. Aber – wenn es überhaupt nie gute gegeben hat? Dann ist es wirklich Liebe.
Unter den Brücken von Rom
Unweit der von Touristen belagerten Plätze und Straßen Roms, direkt neben dem, was man den „Flair der Ewigen Stadt“ nennt, existiert eine Parallelwelt von Zehntausenden Armen, Obdachlosen und illegal im Land Befindlichen, die nur wenige erkennen. Und die meisten von denen, die sie sehen, wollen sie nicht sehen. Werfen wir einen kurzen Blick auf eine kleine Gruppe der vielen unbekannten und anonymen Menschen, die kürzlich indirekt an der Verleihung des Karlspreises in Aachen beteiligt waren. Es ist – wie man bei uns sagt – ein Jahrhunderthochwasser. Kurz vor Weihnachten öffnen sich die Schleusen des Himmels, über Tage hinweg, und allein in der letzten Nacht fällt mit 100 Litern so viel Regen wie sonst in einem halben Jahr. Der Tiber schwillt an, übersteigt alle Markierungen, das italienische Fernsehen sendet live in Sondersendungen. In der Berichterstattung fehlen aber weitgehend die, die am meisten betroffen sind: die Obdachlosen von Rom. Alle, die unter den Brücken leben oder an den Ufern, verlieren auch noch ihr letztes Hab und Gut. Freundschaft mit den Armen ist grenzübergreifend, und so nimmt die Caritas Passau Kontakt auf mit der Gemeinschaft S. Egidio. Unter dem Stichwort „Freunde auf der Straße“ werden Decken, Matratzen, Bettzeug, Schlafsäcke und Hygieneartikel besorgt, die den Menschen mit Wohnsitz speziell unter den Brücken von Trastevere schnell und unkompliziert zur Verfügung stehen. Für die Betroffenen eine Hilfe buchstäblich zum Überleben, und von der Gemeinschaft erhalten sie auch weiterhin täglich Verpflegung. Wer Gelegenheit hat, diese Form von gelebtem Evangelium einmal ausführlich und aus der Nähe zu beobachten, definiert „Caritas“ ganz neu. Not bleibt nicht länger anonym, sondern bekommt Gesichter. Viele, verschiedene, liebenswerte. Gebet als Mittelpunkt der ausschließlich ehrenamtlichen Arbeit, das richtige Konzept für uneigennützig praktizierte Nächstenhilfe, begeisterte Mitarbeiter in immer größer werdender Anzahl, tragender Rückhalt in der Bevölkerung und erfolgserprobte Rezepte für Konfliktlösungen im Kleinen und weltweit sind das Geheimnis der Comunità di S. Egidio. Endlich mal ein Mann und eine Gemeinschaft, die den Preis verdienen, war mein erster Gedanke, als ich von der Verleihung des Karlspreises der Stadt Aachen an Prof. Dr. Andrea Riccardi und die Comunità di S. Egidio erfuhr. Endlich mal einer, der den Preis nicht bekommt, weil er Politiker ist. Endlich mal einer, der nicht die eigene Person in den Vordergrund stellt und nach Auszeichnungen schielt. Endlich mal einer, der wirklich etwas für die Allgemeinheit getan hat, der unendlich viele und unbeschreiblich viel erreicht hat in den letzten vier Jahrzehnten. Der mit seinen zahllosen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Italien und 70 anderen Ländern dem am nächsten kommt, was Papst Benedikt XVI. in seiner ersten Enzyklika „Deus caritas est“ formuliert hat: nur wer das sehende Herz hat, ist fähig zu wahrer Nächstenliebe. Für seine sichtbaren Erfolge ist Riccardi nun ausgezeichnet worden. Aber hinter „S. Egidio“ steckt noch viel mehr: das täglich gelebte Evangelium - jahrein, jahraus, und das unter meist sehr schwierigen Bedingungen. Dafür haben sich die Mitglieder der Gemeinschaft noch einen weiteren Preis verdient. Aber den gibt es nicht auf dieser Erde. Gerhard Heger
Ein anonymes Schicksal. Wer weiß, welche Probleme den alten Mann zum Trinker gemacht und auf die Straße geworfen haben. Trotzdem bleibt er ein Mensch. Seine Würde findet er wieder, wenn er zur Comunità di S. Egidio geht. Dort kann er sich und seine Wäsche waschen, bekommt zu essen, mit Seinesgleichen sprechen, erhält Hilfe beim Umgang mit den Behörden oder bei gesundheitlichen Problemen. Praktizierte Nächstenliebe und Nächstenhilfe. (Foto: Heger)
Foto: S. Egidio / Heger Ein fast schon legendäres Foto: Jedes Jahr zu Weihnachten, seit 1982, werden die Armen und Obdachlosen der Stadt Rom zu einem gemeinsamen Essen in die Basilika Santa Maria in Trastevere eingeladen. Hier werden sie bedient, können sich aufwärmen, austauschen, Gemeinschaft und Nähe erfahren.
Schau, schau...
Frau Dr. Angela Merkel wandelt auf den Spuren der Passauer Caritas! Kurz vor Beginn des G-8-Gipfels in L’Aquila besuchte die Bundeskanzlerin das vom Erdbeben am 6. April 2009 weitgehend zerstörte Onna.
Onna ist ein Ortsteil von Paganica, von wo die Passauer Caritas in Tele Regional Passau, unser Radio und im Passauer Bistumsblatt seinerzeit berichtet hatte. Ein herzliches „Vergelt´s Gott!“ den Spendern von insgesamt 6.620 Euro, die inzwischen an die Caritas Südtirol weitergeleitet worden sind zur Betreuung der Opfer der Naturkatastrophe.
Die Schäden des Erdbebens belaufen sich nach neuesten Schätzungen auf 8,5 Milliarden Euro und sind durch die Medienberichterstattung über den G-8-Gipfel noch einmal ins Blickfeld der Öffentlichkeit gelangt. Noch immer – und auf unabsehbare Zeit – sind etwa 20.000 Obdachlose in Hotels an der Küste und weitere rund 23.000 in Zeltstädten notdürftig untergebracht, kaum jemand interessiert sich jedoch dafür. Tausende Menschen wurden damals verletzt, fast 300 sind gestorben, und die Erde bebt noch immer.
Unsere Regierungschefin hat angesichts des großen Ausmaßes der Zerstörungen 3 Millionen Euro zugesagt für den Wiederaufbau einer Kirche in Paganica.
Ob es wohl hilfreich wäre, man würde sie einmal mitnehmen zu einem unserer Projekte in Rumänien...?
Erfreulich
Seit einiger Zeit schon gibt es eine gute und reibungslos funktionierende Zusammenarbeit zwischen der Pfarr-Caritas Altötting-St. Philippus und Jakobus, dem Freizeit- und Begegnungszentrum für Behinderte St. Elisabeth in Altötting, dem Freiwilligen-Zentrum St. Elisabeth in Altötting und der Auslandshilfe des DiCV Passau bezüglich unseres gemeinsamen Partners, der Caritas in Oradea. Ein herzliches „Danke“ an alle Beteiligten!
Wegweisend
Nach der grundlegenden Enzyklika „Deus Caritas est“ hat Papst Benedikt XVI. in einem weiteren Lehrschreiben Bezug genommen auf die Arbeit u. a. auch der Caritas. In „Caritas in veritate“, wo er auf die ganzheitliche Entwicklung des Menschen unserer Zeit eingeht, bezeichnet er die Caritas als „empfangene und geschenkte Liebe“. Er ruft dazu auf, „den Völkern vor allem zu einer Überwindung von Hunger, Elend […] und Analphabetismus zu verhelfen“. „Der Skandal schreiender Ungerechtigkeit“ halte an, wenn man sich die verschwenderische und konsumorientierte Überentwicklung ansehe, „die in unannehmbarem Kontrast zu anhaltenden Situationen entmenschlichenden Elends steht.“ Wenn der Papst davon schreibt, die Ernährung und den Zugang zu Wasser als allgemeine Rechte aller Menschen anzusehen; wenn er einfordert, dass Schulbildung und medizinische Grundversorgung zu den elementaren Grundrechten gehören; und wenn er die Ausgrenzung, die Isolation, das Außerhalb-der-Gemeinschaft-Stehen als eine der schlimmsten Arten von Armut bezeichnet – dann wissen wir uns ganz besonders mit unseren Projekten für Roma-Kinder in Turulung und Marghita auf dem rechten Weg.
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